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Was wir tun

Grundlegende künstlerische und pädagogische Intentionen

In Hannover leben zahlreiche Flüchtlingskinder aus Syrien, Afghanistan und anderen Spannungsgebieten. Unter ihnen sind verwaiste und unbegleitete Kinder. Viele sind traumatisiert, haben eine wochenlange Odyssee über Land und Meer hinter sich und sind in Deutschland nur geduldet und ohne dauerhaftes Aufenthaltsrecht. Die Kinder tragen eine dreifache Belastung: Traumatisierungen durch Kriegs- und Bürgerkriegserfahrungen, Vertreibung und Flucht und kulturelle Entwurzelung. Die meisten dieser Kinder stammen aus islamischen Familien. Für die Kunstkurse stehen somit Fragen der Interkulturalität und Interreligiosität auf der Agenda.

Die Flüchtlingskinder sollen in die Schulen integriert werden. Hierfür sind ihre deutschen Sprachkenntnisse aber oft unzureichend. Die Kinder brauchen und suchen Erfolgserlebnisse. Sie brauchen Ausdrucksmöglichkeiten, um ihre ihnen ansonsten unverständliche Situation positiv aufarbeiten und bewältigen zu können. Hier setzt das Konzept des kunstbasierten TRANSIT-Kurses an. Es handelt sich nicht um pädagogische Unterrichtseinheiten, sondern um künstlerische Arbeitsmodule. Die Kinder erfahren durch die Mobilisierung ihrer künstlerischen Potentiale Selbstbestätigung. Die ästhetische Erlebnisfähigkeit wird gestärkt. Sie reflektieren die im kreativen Prozess ausgelösten Gefühle. Interaktionen innerhalb der Gruppe stärken ihr Selbstvertrauen.

Mittelbare Intentionen

Das Projekt zielt darauf, interkulturelle und interreligiöse Brücken zu bauen. Es hilft den Kindern, in Hannover anzukommen, und es vermittelt das Verständnis für die Vielfalt als Stärke. Die Veröffentlichung und Verbreitung der Kunstkurse und ihrer Ergebnisse in Hannover stärkt innerhalb der Bevölkerung das Verständnis für das Los der Flüchtlinge und die Bereitschaft zur Integration der Zuwanderer. Fremdenfeindlichkeit wird somit entgegengewirkt.

Umsetzung Thema, Inhalt und Ablauf des Projektes

Gemischte Gruppen aus Flüchtlingskindern, deutschen Kindern mit prekärem sozialen Hintergrund und Kindern mit Migrationshintergrund arbeiten in ausgewählten Grundschulen und Kulturtreffs in verschiedenen Stadtteilen im wöchentlichen Rhythmus an einem fixen Wochentag zwei Stunden unter Anleitung erfahrener Künstler. Es ist kein verbindliches Curriculum oder Bildungsziele vorgegeben, da es sich nicht um pädagogische Unterrichtseinheiten handelt und die besonderen Umstände der Gruppensituation berücksichtigt werden. Es wird hauptsächlich mit Farbe, Papier, Textilien, Pappmaché, und verschiedenen Werkzeugen (Pinsel, Stifte usw.) handwerklich gearbeitet. Je nach Bedarf und Interesse der Kin- der werden auch andere Materialien (Stein, Ton usw.) und Medien (Foto, Film usw.) eingesetzt. Es entstehen künstlerische Entwürfe in unterschiedlichen Medien und verschiedenen Materialien.

Grundlegende Techniken (Farbenmischung, Führung von Stiften und Pinseln, Aufbau von Skulpturen usw.) werden vermittelt und erprobt, erste einfache Theorien erfasst (Bedeutung von Punkt, Linie, Fläche und Raum, Gestaltung von Ruhe und Bewegung, Flächenstrukturierung, Kontrast usw.). Die Dozent*innen stellen und schlagen die zu benutzenden Farben, Materialien, Formate, Präsentationsformen, Bilderahmen für die Ausstellung usw. vor. Die Kinder werden zur Reflexion ihrer Arbeiten im Gespräch in der Gruppe angeleitet. Öffentliche Ausstellungen oder kleine Aufführungen an den Kursorten zum Ende der Kurse bestätigen den Kindern den Wert ihrer Arbeiten.

Das Winnicott-Institut in Hannover konnte als Projektpartner gewonnen werden und bietet psychotherapeutische Supervision der Kurse an.

Projektentwicklung

Im Rahmen der Nachmittagsbetreuung an den Grundschulen hat sich in Hannover die Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und außerschulischen Partnern bewährt (Stephanstift, Diakonie und andere), denen in Abstimmung mit den Schulleitungen die Koordinierung der Nachmittagsangebote obliegt. Die Kulturtreffs haben langjährige Erfahrungen in der sozialräumlichen Kooperation, auch in der Nachbarschaft mit Schulen. Der Kontakt zu den Eltern ist für die Projektentwicklung wichtig. Die Gruppe trifft sich einmal wöchentlich zu festgelegten Zeiten außerhalb des Schulunterrichtes für zwei Stunden in den Räumen der Schule oder im Kulturtreff. Auf Wunsch werden Blockseminare in den Schulferien ergänzend angeboten.

Gruppengröße

Die ideale Gruppengröße beträgt 10-12 Kinder. Angestrebt ist eine möglichst homogene Altersstruktur.  Wichtig ist, dass neben den Dozent*innen immer mindestens eine zweite qualifizierte Betreuungsperson im Raum ist.

Präsentationen

Zum Ende der Kurse finden in den Schulen Ergebnispräsentationen statt, meist im Rahmen von Tagen der offenen Tür, bei denen auch für die Nachmittagskurse geworben wird.

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